Ja, ja, der Australian Shepherd. Das geborene Arbeitstier, geboren nur zu einem Zweck: Hüten bis der Arzt kommt! Schon als Welpe braucht der Australian Shepherd Auslastung ohne Ende, jeden Tag mindestens 1 Stunde Agility, und Kopfarbeit ohne Ende, mehrere Welpenspielgruppen wöchentlich, jeden Tag mindestens eine neue Erfahrung, am besten schon die erste eigene Schafherde mit 5 Monaten hüten, Tricks können Sie ihm auch täglich neue beibringen, sonst ist der Kopf ja nicht ausgelastet. Schlafen, nein, schlafen muss das Tier nicht. Ist ja ein Arbeitshund. Der will nur arbeiten! Ein Australian Shepherd braucht eine harte Führung, viele Hundeschulstunden, sonst bekommt man ihn nie in den Griff. Und überhaupt ist ein Australian Shepherd nicht geeignet, um ihn in einer Wohnung zu halten. Ein Australian Shepherd sollte auf einem Bauernhof gehalten werden, 1000 Schafe hüten, ganzjährig selbstverständlich! Anders geht es nicht! Den bekommen Sie sonst nie müde! Meine Güte, Ihr Hund ist ja viel zu aufgedreht. Sie kriegen den nie in den Griff. Sie machen ja viiiiiiel zu wenig mit ihm. Als Familienhunde eignen Australian Shepherds sich überhaupt nicht. Sie schaden dem Tier ja nur, wenn Sie ihn in einer Familie halten. Und Menschen gegenüber sind die ja eh immer so abweisend. Also nein, das wird nicht gut gehen. Sie benehmen sich so unverantwortlich! Wenn ein Australian Shepherd gelangweilt ist, beißt er Ihnen alle Möbel kaputt. 

Ich liebe es, mir die Meinungen anderer Leute in puncto Australian Shepherd anzuhören. Ja, das macht wirklich Freude – immerhin habe ich dann etwas, worüber ich mich aufregen kann.

Ja, ich hatte nicht wirklich viel Ahnung von der Rasse Australian Shepherd, als ich Bella abholte. Ehrlich gesagt wusste ich nur, dass sie mittelgroße Hütehunde sind, sehr agil, sehr clever, und viele Halter Hundesportarten mit ihnen machen. Aber all die Vorurteile über Australian Shepherds kannte ich nicht. Und ich halte sie außerdem für vollkommenen Schwachsinn.

Nehmen wir doch mal den Dackel: Ein Dackel ist ein Jagdhund, ein Dachshund, um genauer zu sein. Auf der Jagd ist er dafür zuständig, in einen Fuchs- oder Dachsbau zu schlüpfen und das Tier zähnefletschend aus seinem gemütlichen Bau heraus zu jagen. Und trotzdem geht kein Mensch der Welt auf alte Omis mit Dackeln zu uns sagt: „Hören Sie mal, junge Frau! Sie haben da einen Dackel! Einen Jagdhund! Der muss jagen! Es kann ja nicht sein, dass Sie ihn nicht jagen lassen, das liegt doch in seinem Rassestandard begründet!“.

Genauso wenig wird jemand zu einem Pudelbesitzer gehen und sagen: „Was?! Sie halten diesen Hund zum Kuscheln und Liebhaben?! Das geht ja gaaaaar nicht! Sie müssen ihn doch Sachen aufspüren lassen, Leichen beispielsweise!“.

Und der Golden Retriever, einer unserer liebsten Familienhunde, ist eigentlich auch ein Jagdhund. Wenn der Jäger einen Vogel abgeschossen hat, rennt der Retriever los, um das tote Tier einzusammeln. „Der muss aber doch viel Bewegung und Auslastung haben, und ohne Jagd kann er nicht leben!“ sagt auch hier niemand zu einem Golden Retriever Halter.

Aber warum geht man dann uns Australian Shepherd Haltern immer wieder damit auf den Senkel, dass ein Australian Shepherd ja hüten muss? Auch ein Schäferhund, ob deutsch, altdeutsch oder belgisch, kann als Hütehund ausgebildet werden  – KANN, MUSS NICHT! Es ist doch nicht so, dass ein Welpe die Äuglein öffnet und sich denkt „Och, gucke mal, da laufen zwei Schafe, die muss ich jetzt mal dringend in den Stall bringen!“. Ja, sicherlich KANN man einem Australian Shepherd das Hüten beibringen. Genauso gut KANN man einem Boxer beibringen, etwas totzubeißen. Verdammt, man kann wahrscheinlich sogar einem Yorkshire Terrier beizubringen, Mäuse zu jagen! Aber man MUSS es doch nicht!

Die meisten Hunderassen, die wir Menschen als Familienhunde auserkoren haben, sind eigentlich weder als Begleit- noch als Gesellschaftshunderassen gezüchtet, sondern sind Jagd-, Treib-, Hüte-, Vorsteh-, Dachs- oder Schutzhunde (oder was es sonst noch alles gibt…). Selbst sogenannte Kampfhunde sind ausgesprochene Schmusmonster, wenn man sie nicht zu Kampfmaschinen ausbildet.

Woher soll der Hund denn wissen, was er ist, wenn man es ihm nicht beibringt? Ich meine, auch die Eltern eines Menschen sind beispielsweise Büroangestellte. Beide. Aber das Kind kommt doch nicht zu Welt und denkt sich: „Och, guck mal. Da sind Gene von Menschen, die in Büros arbeiten, in mir. Ich arbeite dann auch mal im Büro!“.

Und dann erst die Mischlinge! Wenn ich einen Mischling kaufe, bei dem ich nicht weiß, was drin ist, dann kann es doch sein, dass ein typischer Hütehund wie ein Australian Shepherd aber gleichzeitig auch ein Jagdhund drin steckt. Aber auch bei einem Mischling, einer absoluten Promenadenmischung, läuft kein anderer Hundehalter oder angeblicher Hundeexperte hinter einem her und ruft „Also, für den Hütehundanteil des Tieres müssen Sie ihm das Hüten beibringen, und das Jagen wegen des Jagdhundanteils!“. Nein, das macht kein Schwein. Aber Australian Shepherd Haltern muss man natürlich immer das sagen, was man meint über die Rasse zu wissen. Selbst wenn man keine Ahnung hat.

Danke für den Senf, den Sie dazugeben möchten, aber ich mag Senf nicht.