Zu unserer Schande muss ich sagen, dass wir das Frustrationstoleranztraining im Zuge unseres Umzugs und anderer Trainingseinheiten wie „Bei Fuß“-Übungen vernachlässigt haben. An Bellas Verhalten der letzten Tage, insbesondere bei den „Bei Fuß“-Übungen, war aber deutlich zu merken, dass das eine nicht ohne das andere funktioniert: Frustrationstoleranz muss zur gleichen Zeit wie alle anderen Übungen trainiert werden.

Doch was ist eigentlich Frust? 

Frust kennen wir Menschen nur zu gut. Wenn etwas nicht so läuft, wie wir es gerne hätten, werden wir wütend, ungehalten, stinkig – und genau so ist es bei Welpen, bzw. bei Hunden generell, auch: Sie werden stinkig. Hunde zeigen uns ihre schlechte Laune aber selbstverständlich anders, als wir Menschen sie zeigen.

In Bellas Fall zeigt sich Frust beispielsweise bei Spaziergängen, wenn man sie von einem für uns übelriechenden Pferdemisthaufen weg holt, indem sie hoch springt und bellt und versucht, in die Arme zu zwicken. Das ist weniger ein Beißen als ein Zupfen in die richtige Richtung, ein Festhalten nach dem Motto „HAAAALLOOOOO! MENSCH, ich war noch nicht fertig, wir gehen da jetzt wieder hin! SOFORT!“. Auch in der Wohnung kann ein Hund frustriert sein, wenn man gerade nicht mit ihm beschäftigt. Welpen wollen Action, wollen spielen und toben – und das geht eben nicht immer. So sind sie dann frustriert, klauen – wie Bella – benutzte Taschentücher oder wollen sonst irgendwie die Aufmerksamkeit ihrer Menschen auf sich ziehen.

Welpen sind eben wie Kinder. Kinder machen auch Lärm, bauen auch Mist, wenn sie frustriert sind. Und genau wie Kinder müssen Welpen lernen, dass nicht immer alles so läuft, wie sie es gerne hätten.

Es gibt einige einfache Situationen, die Welpen frustrieren, sich aber gleichzeitig hervorragend eigenen, um ihre Frustrationstoleranz zu üben.

Gestern Nachmittag habe ich Bella ein Leckerchen vor die Nase gelegt – und ihr verboten, es sofort zu fressen. Im Laufe der nächsten Stunde (ja, eine ganze Stunde lang) kamen weitere, herrlich stinkige Leckerchen dazu, die ich allesamt an ihrer Nase vorbei vor sie auf den Boden legte. Innerhalb der ersten halben Stunde lag sie mit der Nase vor dem Leckerchenstapel. Die stupste dran, sprang auf, schlug mit der Pfote drauf, versuchte, mich leise anzubellen, sah aber schnell ein, dass das eine dumme Idee war, legte sich wieder hin, stupste – und bei jeder Berührung des Futters hörte sie ein „Nein“ oder „Warte“. Irgendwann legte sie sich zu mir auf die Couch, beobachtete ihre Leckerchen aber weiterhin. Mitten in der Übung kam Christian nach Hause – und die Übung lief einfach weiter. Sie hat ihn zwar begrüßt, doch nachdem er noch weitere Leckerchen auf den Stapel legte, stupste sie wieder daran herum. Nach einer Stunde habe ich die Übung aufgelöst.

Auch die abendliche Fütterung haben wir zur Übung genutzt. Ein großer Napf Welpenfutter mit ein paar Stinkeleckerchen darin stand vor ihrer Nase – 20 Minuten lang durfte sie nicht dran. Sie ging drum herum, versuchte wieder, mich anzubellen, sah wieder ein, dass das doof wäre, legte sich schwanzwedelnd vor ihren Napf, schlich wieder um ihn herum. Als nach 20 Minuten das „Friss“-Kommando kam, war sie sichtlich erleichtert.

Heute Morgen habe ich ihr direkt wieder ein Leckerchen vor die Nase gelegt – dieses Mal nur eines – und sie 30 Minuten darauf warten lassen.

Während der Welpe wartet, kann man alle möglichen Dinge erledigen – weit von seinem Leckerchen entfernen, wird er sich vermutlich nicht. Auch das Erledigen des Haushalts oder ähnlicher Dinge gehört zu den Sachen, die Welpen frustrieren können, da man sich ja nicht mit ihnen beschäftigt. Hier kann man also mehrere Frustrationsauslöser gleichzeitig herausfordern und bei häufiger Wiederholung und immer längerer Ausdehnung der „Übungseinheit“ die Frustrationstoleranz des Hundes stärken.