Impulskontrolle scheint irgendwie der superdupermegatolle Begriff geworden zu sein, wenn es um das Thema Hundeerziehung geht. Mit „Impulskontrolle“ oder fehlender Impulskontrolle kann man jedes Verhalten und vor allem Fehlverhalten von Hunden erklären.

Klar, klingt ja auch logisch. Ein Hund macht das, was er gerade machen will, wenn er seinem Impuls oder Instinkt folgt – wenn er also handelt, wie ihm die Schnauze gewachsen ist. Wenn er das nicht macht, also nicht tut, was er gerne will, dann hat ihm ein Mensch Alternativen gezeigt, Verhalten gezeigt, dass uns Menschen besser gefällt und daher den Impuls des Hundes kontrolliert.

So weit, so gut. Irgendwie macht der Begriff der Impulskontrolle für mich wirklich Sinn: Ob ich meinem Hund nun beibringen will, Pfötchen zu geben oder ihn mit „Peng“ erschießen möchte, oder aber er bei Fuß gehen soll – das alles sind Dinge, die er von sich aus vermutlich nicht machen würde, also sorge ich dafür, dass er den Impuls kontrolliert, etwas anderes zu machen und stattdessen genau das macht, was ich gern möchte.

Nun habe ich mir, weil mich das Thema Impulskontrolle interessiert und weil es mir als treffendste Umschreibung für den Kern der Hundeerziehung vorkommt, ein Buch zu dem Thema gekauft. „Impulskontrolle: Wie Hunde sich beherrschen lernen“ heißt das Buch, geschrieben hat es Ariane Ullrich. Und ich muss sagen: Auch das Buch ist höchst faszinierend! Besonders der Teil, in dem Übungen zur Impulskontrolle gezeigt werden, hat mich interessiert und lustigerweise durfte ich feststellen, dass ich recht intuitiv schon einige dieser Übungen mit Bella begonnen habe, ohne etwas darüber gelesen zu haben – das Warten vor der Tür oder auch das Hinsetzen bei der Begrüßung anderer Menschen.

Was mich (und offenbar auch andere Leser, den Rezensionen bei Amazon nach zu urteilen) etwas stört ist die Bezeichnung „impulskontrollgestört“: Die Störung der Impulskontrolle kann laut Buch krankheitsbedingte (z. B. Depressionen, Hyperaktivität etc.) Gründe haben oder aber auch an fehlender, falscher oder schlechter Erziehung liegen. Das sollte man sich beim Lesen des Buches, wenn man einen Welpen hat, meiner Meinung nach jedoch nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Natürlich fehlt einem Welpen oder Junghund noch Erziehung – daher kaufte man das Buch ja. Man muss nicht zwangsläufig etwas unwiderruflich Falsches getan haben und der Welpe oder Junghund ist noch lange nicht „gestört“, wenn er jemanden zur Begrüßung anspringt. Er muss bloß noch die Impulskontrolle lernen – und wenn man über das „gestört“ hinwegliest und sich davon nicht weiter stören lässt, scheint mir dieses Buch ein guter Begleiter auf dem Weg zur effektiven Impulskontrolle zu sein.

Wir arbeiten nun also weiter und verstärkt an Bellas Impulskontrolle, insbesondere an ihrer Reaktion auf andere Personen. Um an der Leine mehr Kontrolle über die Reaktionen des Hundes auf äußere Einflüsse zu haben, empfiehlt sich der Kauf einer Zweipunktleine (eine Leine mit zwei Karabinern an den Enden, die so flexibel ist, dass man einen Karabiner z. B. am Geschirr und einen am Halsband befestigen kann).