„Ey.“

„Mh?“, raune ich schlaftrunken.

„Wach auf.“

„Hä?“, antworte ich halblaut, noch zu sehr im Schlaf, um eine vernünftige Antwort geben zu können.

„WACH AUF!“, schreit er.

Ich gebe einen gequälten Laut von mir, öffne meine Augen und starre ihn an.

„Du.“, sage ich.

Er grinst. „Ich.“

„Du. Ausgerechnet du. Was willst du immer noch hier?“

„Bei dir sein.“, säuselt er. Fast charmant, dieser Tonfall.

„Ich will aber nicht, dass du bei mir bist.“, antworte ich und ziehe meine Beine enger an meinen Körper. Meine Arme schlinge ich um sie. Meine Schultern verkrampfen sich. Meine Fingernägel krallen sich in meine Haut.

„So, so.“, sagt er mit diesem Lächeln im Gesicht. Mit dieser süffisanten, überheblichen Fratze eines Lächelns. „Ich wäre nicht hier, würdest du mich nicht mehr dahaben wollen.“

Ich übergehe diese Lüge. „Es sind jetzt sieben verdammte Jahre vergangen, seitdem wir uns getroffen haben.“, sage ich, immer leiser werdend. Meine Stimme bröselt zum Satzende hin in ein fast unhörbares Flüstern.

„Oh, wir haben also ein Jubiläum. Das sollten wir feiern.“ Er reckt sein Kinn empor, hebt seine Augenbrauen zweimal und legt ein breites Grinsen auf. Gehässig.

„Nein, das feiern wir nicht. Ich feiere erst, wenn du weg bist. Für immer.“, zische ich ihm entgegen. Ich bin wütend. Ich will wütend sein.

„Na, na, wer wird denn da gleich wieder rumzicken?“, tadelt er mich mit einem Oberlehrerunterton. Überlegen.

„Ich zicke nicht rum. Du bist das Schlimmste, was mir je passiert ist.“, sage ich so laut wie möglich, so kräftig wie möglich. Stark. Stark soll es klingen.

„Aufmüpfig wie eh und je. Nach all den Jahren.“, sagt er lachend, so vertrauensvoll. Lügend.

„Verschwinde.“, erwidere ich. Geh einfach weg, füge ich ihn Gedanken hinzu. Lass mich in Ruhe.

„Ich werde nicht verschwinden, nicht weg gehen und dich nicht in Ruhe lassen.“, antwortet er und schaut voller Interesse auf die Fingernägel seiner Hand, als wäre unser Gespräch eine reine Nebensache. „Warum sollte ich auch? Du lädst mich doch immer wieder ein.“

„Ich lade dich ni-“

„Jaja, rede es dir nur weiter ein. Du hattest nie die Kontrolle.“

Bis hier hin und nicht weiter, denke ich. Nicht in diesem Moment. Nicht in dieser Nacht. Ich will schlafen. Ich drehe mich auf die Seite, strecke meine Beine wieder aus, entspanne mich – so gut es geht. Dann schaue ich auf mein Handy, suche mir ein Hörspiel aus, ein Kinderhörspiel, eines, das nichts Böses kennt, und schließe die Augen.

Raus aus meinem Kopf.