Ein lauter Schrei hallt durch die Straßen.

„LIEBE MICH!“

Unbeantwortet bleibt der Ruf.

„LEBE MICH!“

Das Leben sinkt weinend und mit dem Rücken an der Fassaden eines Hauses lehnend zu Boden. Es kauert dort, umfasst die Knie mit beiden Armen und lässt den Kopf sinken. Dann und wann schluchzt es, während es Stunden, Tage, Jahre, Ewigkeiten sitzend auf dich wartet. Es bewegt sich nicht von seinem Platz. Die Zeit nagt an ihm, frisst zunächst seine Kleidung und gräbt nach und nach tiefer werdende Furchen in seine Haut.

Das Echo seiner Bitten hallt noch immer durch die Stadt, es wird von Häusern, Menschen und dem Wind getragen, von Wand zu Wand, von Fenster zu Fenster, von Mund zu Ohr, von Herz zu Mund, immer weiter, bis das Echo dich mit voller Wucht, als hättest du die ganze Zeit direkt neben dem Leben gesessen, erreicht und dir durch Mark und Bein fährt.

In Sehnsucht und Hoffnung beginnst du deine Suche, läufst von einem zum anderen, von Mensch zu Haus, von Haus zu Mensch, zu Tier, zu dir, dem Ursprung des Echos folgend.

Endlich findest du das auf dem Boden kauernde Leben, reichst ihm ein Taschentuch und deine Hand. Es schaut scheu auf, du lächelst es an.

„Komm mit!“, sagst du, „Wir geh’n die Liebe leben und das Leben lieben.“