Heute möchte ich euch von meinem persönlichen Kampf gegen Windmühlen erzählen: Am vergangenen Montag habe ich aufgehört, wegzusehen, und angefangen, anzupacken. Die letzten 7 Morgenspaziergänge mit Bella habe ich damit verbracht, unsere Gassistrecke vom Müll zu befreien. Was ich dabei alles gefunden habe, was mich in Mettmann ärgert und wieso ich hoffe, dass ihr unter dem Hashtag #MüllwegmitBella mit uns gemeinsam sammelt, erfahrt ihr hier!

Das Leben als Hundehalter ist wahrlich wunderbar: Jeder Tag startet mit einem Morgenspaziergang, in meinem Fall mit einer Runde zwischen Wiesen und Feldern entlang. Wenige Menschen, wenige Autos, wenig Lärm, viel Grün, viele Vögel, manchmal Hasen und Rehe, hier und dort ein Bauer, der sein Feld beackert. Herrlich! Nicht wahr? Nicht ganz so herrlich ist das, was am Wegesrand, auf den Wiesen oder auf den Feldern bereitliegt: Müll. Überall Müll. Plastikverpackungen aller Art, Stühle, intakte und zerbrochene Glasflaschen, Getränkedosen, benutzte Taschentücher, volle und leere Kotbeutel, Kabel, Autosicherungen, Tampons, Binden, Zigarettenfilter, -stummel und -verpackungen, Besteck, Keramik, ausgemusterte Tiertransportboxen, verlassene Weihnachtsbäume. Sobald man aufhört, das Grün zu fokussieren, und anfängt, den Müll zu bemerken, gibt es kein Entkommen mehr. Und für mich gab es, nachdem ein Entkommen unmöglich war, nur noch eine einzige Lösung: Ich musste aufräumen.

Müllfakten.

Forscher gehen davon aus, dass es Mikroorganismen quasi unmöglich ist, Kunststoffe zu zersetzen – 450 Jahre soll es dauern, bis sich beispielsweise eine Plastikflasche zersetzt hat. Ganz sicher ist das natürlich nicht, da wir Menschen noch keine 450 Jahre Plastik verwenden und beobachten konnten. Zersetzt heißt hierbei übrigens auch nicht „vollständig abgebaut“, sondern „zu Mikroplastikpartikeln geworden“ (nur weil wir Mikroplastikpartikel nicht sehen können, heißt es nicht, dass sie nicht da sind). Getränkedosen brauchen voraussichtlich 200 Jahre, Styroporbecher 50 Jahre, Plastiktüten (und dazu gehören dann ja auch unsere allseits beliebten Kackbeutel) 10 bis 20 Jahre, Zigarettenkippen 1 bis 5 Jahre, Milchkarton 3 Monate, Pappkartons 2 Monate und selbst das aus der Natur stammende Apfelgehäuse braucht 2 Monate, um sich zu zersetzen. Und Glas? Tja, Glas zerbricht einfach in immer kleinere Teile, ist also auch nicht zersetzbar.

Was ist mit Hundehaufen? Ich habe versucht, eine zuverlässige Aussage über die Zersetzung von Hundehaufen zu finden, bin daraus aber nicht ganz schlau geworden. Auf manchen Webseiten heißt es, es dauere 5 Tage, auf anderen, es dauere 40 Tage. Ich glaube, ich muss das selbst mal untersuchen. Klar ist jedoch: Irgendwann sind sie weg. Und das dauert keine 450 Jahre.

Müllstrafen.

Müll nicht ordentlich zu entsorgen stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Ordnungswidrigkeiten werden mit Bußgeldern bestraft.

In NRW kostet es 10 bis 100 Euro, Hundekot liegen zu lassen.

Einzelne „unbedeutende Produkte“ (darunter fallen wohl Pappbecher und -teller, Taschentücher, Zigraettenschachteln und ähnliche Dinge; Dinge aus Kunststoff/Plastik werden nicht explizit genannt) in die Natur zu werfen, kostet in NRW zwischen 10 und 25 Euro. Mit ansteigender Menge oder ansteigender Bedeutung der Produkte steigt auch die Höhe des Bußgeldes (bei einer Masse von bis zu 2 kg auf bis zu 100 Euro).

7 Tage, 7 Säcke.

In meinen 7 Tagen als Müllsammlerin ist mir so einiges in die Tüte gekommen. Die Highlights? Eine Gabel, ein paar Sicherungen, eine intakte und fast neue wiederverwendbare Trinkflasche, mehrere Kabel, ein kleines Schäufelchen, eine Art Computerchip.

Ich werde euch nun relativ kommentarlos die Bilder zeigen, die in den letzten 7 Tagen entstanden sind.

Tag 1.

 

Tag 2.

In dieser Tüte ist eins meiner Highlights: Die Gabel.

Tag 3.

Abgesehen von der Schaufel und der wiederverwendbaren Trinkflasche fand ich das Wasserrad (ich vermute, es sollte eines sein) auch sehr „interessant“.

Tag 4.

Tag 5.

Tag 6.

Sieht man nicht so gut: In dieser Tüte sind unter anderem zwei zerbrochene Flaschen und die Mitnahmepackung eines Imbisses.

Tag 7.

 

Was mich spezifisch in Mettmann wirklich ärgert.

In Mettmann gibt es keine Freilaufflächen, die für Hunde ausgewiesen sind. Nirgendwo. In einem Artikel der RP Online, der 2013 veröffentlicht wurde, steht dazu folgendes:

Die Verwaltung scheut das regelmäßige Mähen und das Wegschaffen der tierischen Hinterlassenschaften. Die Erfahrungen anderer Kommunen hätten gezeigt, dass eine nicht unerhebliche Zahl von Hundebesitzern den Kot auf Hundewiesen nicht beseitige, argumentier die Verwaltung. Zudem koste die Anlage einmalig zwischen 5000 und 10 000 Euro. Außerdem fehle eine geeignete zentrumsnahe Fläche. Auch von Lärmbelästigung durch Trillerpfeifen, Gebell und lautes Rufen ist die Rede.

Erkrath scheint da ein bisschen die Insel der glückseligen Hundebesitzer – auch ohne Freilaufwiesen. „Wir haben genug Flächen, auf denen sich Hunde ohne Leine bewegen können“, sagt Ordnungsamtsleiter Jochen Worbs. „Da ist so eine Fläche nicht zwingend erforderlich.“

Bella und ich scheinen uns auf einer dieser „genug Flächen“ zu bewegen, denn sie liegt außerhalb des Stadtzentrums. Doch eigentlich, wenn man mal ganz ehrlich ist, dürfte ich Bella auch hier nicht einfach freilaufen lassen. Wieso? Weil die Wiesen und Felder unterschiedlichen Bauern mit unterschiedlichen Einstellungen zum Betreten ihrer Grundstücke gehören. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wem welche Wiesenfläche gehört und wo ich nun wirklich mit Bella drüber laufen darf und wo nicht.

Abgesehen davon, dass ich gar nicht weiß, wo ich wirklich hin darf und wo nicht, ärgert es mich, dass hier nicht aufgeräumt wird. Die Stadt hat sich erfolgreich um die Einrichtung einer Freilauffläche und um das „Wegschaffen der tierischen Hinterlassenschaften“ gedrückt, drückt sich aber auch davor, besagte freie Flächen (falls sie überhaupt für eine davon zuständig ist) in Ordnung zu halten oder gar Mülleimer aufzustellen.

Mülleimer. Ernsthaft? Wo kommen wir denn da hin, wenn man Mülleimer auf vielgenutzten Wegstrecken aufstellen würde?! Die Strecke, die wir gehen, ist eigentlich nicht lang – 2,5 Kilometer ungefähr. Das Mülleimerproblem ist nun aber folgendes: Auf der ganzen Strecke stehen 2 städtische Mülleimer (und 2 Stück stehen ganz am Anfang der Strecke, die allerdings zu den drei Hochhäusern gehören, die dort stehen). Im Abstand von ungefähr 300 Metern. In unserem Fall am Ende der Strecke, gingen wir anders herum am Anfang. Ja, es nervt mich, einen Haufenbeutel 2 Kilometer weit zu tragen, aber hey, das überlebe ich schon. Was ich auch überlebe, einige Tiere aber vielleicht nicht, ist der Müll, der sich zwischen dem mülleimerlosen Beginn der Strecke und den Mülleimern am Ende der Strecke ansammelt. Und das nervt. Aber richtig.

Der Müll, der auf der Strecke liegt, ist größtenteils aus Plastik, d. h. (wie oben schon aufgeführt) er zersetzt sich nicht. Die fehlende Zersetzung von Plastik und Glas ist das eine Problem, das andere Problem ist die Verletzungsgefahr. Erinnert ihr euch noch an die Wunde, die Bella hatte, als sie noch ein Junghund war? Der Schnitt in ihrem Bein? Diese Schnittwunde hat Bella sich damals auf genau dieser Gassistrecke zugezogen; wahrscheinlich hatte sie sich im Bach an einer Glasflasche geschnitten. Also an Müll. Und Bella ist nicht der einzige Hund, der sich hier schon verletzt hat: Eine andere Hundehalterin erzählte mir von einem Hund, der nach Hause getragen werden musste, weil er sich an einer Glasflasche geschnitten und dabei eine Sehne durchtrennt hatte. Aber nicht nur unsere Hunde laufen hier Gefahr, sich zu verletzen, sondern auch sämtliche Wildtiere und ebenfalls wir Menschen. Oft genug sind Kinder auf dieser Strecke unterwegs! Klar ist es ärgerlich, wenn eines in einen Hundehaufen tritt, aber was ist, wenn ein Kind in eine zerbrochene Glasflasche fällt?

So, genug über meine Heimatstadt geschimpft.

Was braucht man zum Müllsammeln?

Einen Müllbeutel, einen oder zwei Handschuhe und – falls Hund vorhanden – einen Hund, der es einem nicht allzu übel nimmt, wenn man beim Spaziergang aufräumt.

Mein Fazit aus 7 Tagen Sammelei.

Ich fühle mich gut. Ich fühle mich verantwortlich und ich habe eine Veränderung der Umstände, die ich beklage, aktiv angepackt und eine sichtbare Veränderung herbeigeführt.

Es ist ein wahnsinnig gutes Gefühl, 7 Tage lang intensiv etwas für meine Umwelt getan zu haben. Auf der Strecke liegt immer noch Müll, zu viel davon, um ehrlich zu sein, aber es ist deutlich weniger geworden und ich sehe die Veränderung. Selbstverständlich weiß ich nicht, ob auch andere Menschen diese Veränderung wahrnehmen, aber ich nehme sie war – und ihr nun zwangsläufig auch.

In Zukunft werde ich zwar nicht zu jedem Spaziergang einen Müllbeutel mitnehmen, wie ich es in dieser Woche getan habe, aber ich werde trotzdem regelmäßig weiter aufräumen. Egoistisch betrachtet hat es mir ein gutes Gefühl gegeben, etwas Gutes zu tun, und dieses Gefühl will ich nicht mehr missen.

Auf diese Weise aufzuräumen ist eigentlich eine Kleinigkeit, eine Lappalie. Aber wenn viele Menschen viele kleine Dinge tun, bewirken sie etwas Großes.

Was wir tun können. Und müssen.

Es reicht nicht, wenn, wie im Film Wall-E, der letzte die Erde aufräumt. Es reicht einfach nicht. Wir müssen alle etwas tun, selbst wenn es „nur“ das Aufsammeln einer einzelnen Taschentuchverpackung ist. Wir leben auf dieser Erde, wir leben jetzt, wir haben verdammt noch mal die Verantwortung, unser Dasein bestmöglich zu gestalten – und dazu gehört auch, einfach mal anzufangen, einfach mal anzupacken, einfach mal aufzuräumen. Ja, einfach!

Viele Dinge auf dieser Welt sind nicht einfach: Steuererklärungen, Prüfungen, zwischenmenschliche Beziehung, das eigene Gedankenchaos zu bewältigen, das Überwinden einer Depression. Aber Müll aufzuheben ist für jeden, der körperlich dazu in der Lage ist, wirklich einfach. Und ich weiß, dass es gerade psychisch kranken Menschen – mir ja auch – oft schwerfällt, die eigene Wohnung aufzuräumen. Das ist okay, das darf sein. Aber wenn man in der Lage ist, Verantwortung für sich zu übernehmen, und auch Verantwortung für andere Dinge und andere Lebewesen übernehmen kann, dann kann man auch mal raus gehen und diese Welt aktiv besser, sauberer, lebenswerter machen.

Wir haben es in der Hand. Nur wir! Kein anderer wird es machen. „Irgendwer wird’s schon weg räumen“ funktioniert nicht. „Irgendwer wird’s schon weg räumen“ führt nur dazu, dass doch bloß wieder alles liegen bleibt. Wenn wir eine Veränderung sehen wollen, müssen wir selbst diese Veränderung in die Hand nehmen. Das gilt für alle Lebensbereiche, für jeden einzelnen Schritt in eine neue Richtung. Doch in Hinblick auf unsere Umwelt, auf unsere Natur, auf unsere Pflanzenwelt, auf unsere Tierwelt, auf unsere Erde ist die Erkenntnis, selbst die Veränderung zu sein, die man sich wünscht, absolut essentiell und unumstößlich, da unsere Natur sich gegen viele menschengemachte Abfälle schlichtweg nicht wehren kann.

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ – Mahatma Gandhi

Lasst uns zusammen aufräumen!

Getreu dem Motto „Tu was Gutes und rede darüber“ (aus diesem Motto ist dieser Blogbeitrag hier ja auch irgendwie entstanden) möchte ich, dass ihr mitmacht. Dass ihr dabei seid. Dass ihr Bella und mich unterstützt. Dass ihr unserer Erde helft. Ihr könnt mir eure Müllsammelfotos – jedes einzelne Teil zählt! Jeder Schritt ist wichtig! – per E-Mail schicken (dann teile ich sie hier in diesem Beitrag) oder sie unter dem Hashtag #MüllwegmitBella in den sozialen Medien – sei es Facebook, Instagram oder Twitter –posten. Je mehr wir sind, desto mehr können wir ausrichten.