Ein Schuss. Er schneidet durch die nebeldurchtränkte Luft dieser Nacht, reißt sie in Stücke und hinterlässt einen kurzen Augenblick absoluter Stille. Ein Schatten fällt die Wand hinab und mit ihm ein Körper zu Boden. Schockstarre. Für Sekunden. Ihr Mann brüllt ein gellendes „NEIN!“, das von den rotschwarzen Hauswänden widerhallt. Statt ihr zur Hilfe zu eilen – er weiß, dass sie tot ist – stürzt er sich auf ihren Angreifer. Mit voller Wucht rammt er dem unbekannten Mann seine rechte Hand gegen den Kehlkopf. Unvorbereitet auf diese Attacke taumelt der Angreifer rückwärts gegen eine Mülltonne, die laut scheppernd auf den Asphalt kracht. Eine Katze ergreift laut fauchend die Flucht, während der Schütze halb entschlossen, halb panisch erneut nach seiner Waffe greift. Er findet sie, findet ihren Auslöser. Schnell hebt er den Lauf seiner Pistole in Richtung des Mannes. Als ihre Blicke sich treffen, stürmt der Mann auf den Mörder seiner Frau zu. Er wirft sich auf den Mann, versucht, nach seiner Schusshand zu greifen. Zornig drückt er ihn gegen die Backsteinmauer, der Hinterkopf des Angreifers schlägt gegen die Wand. Ein Schmerzensschrei. Augenblicke später lockert sich die Hand des Schützens und der Mann entreißt ihm seine Waffe. Sein Gesicht verzieht sich zu einer hässlichen Maske. Eng ziehen sich seine Augenbrauen zusammen, wütend brennende Tränen füllen seine Augen. Das Blut rauscht in seinen Ohren. Er atmet in Stößen. Mit einem wütenden Schrei richtet er die Waffe auf sein Gegenüber. Sein Finger liegt am Abzug, sein fester Blick auf ihn gerichtet. Jetzt oder nie. Rache.

Sie schaltet den Fernseher aus.